HIV/AIDS - Gesellschaftspolitische Herausforderung und
christliche Verantwortung

'Compassion' - (Mit)Leidenschaft für Menschen mit HIV/AIDS

 

 

Teilnehmerkreis

Dieses Exposure- und Dialogprogramm ist ein Angebot für Mitglieder des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, das auch weiteren Interessierten offensteht. Angestrebt wird die Teilnahme von Multiplikatoren aus Diözesen und Verbänden sowie von Seiten politischer Mandatsträger, die daran interessiert sind, sich aktiv an den gesellschaftlichen und kirchlichen Debatten zu HIV/AIDS zu beteiligen. Grundkenntnisse der englischen Sprache (einfache Verständigung) sind Voraussetzung.

 

Partner vor Ort

"The body of Christ has AIDS. The Church has AIDS, It is our people who are living, suffering and dying because of the virus." Bishop Kevin Dowling CSsr, in: "Africas' AIDS Heroines", The Tablet, 30. November 2002, 6.

Die Teilnehmergruppe wird zu Beginn des Programms in Kleingruppen zu je zwei Personen aufgeteilt, um so den Alltag ehren- und nebenamtlicher Mitarbeiter/innen folgender Gastgeberorganisationen kennen zu lernen:

(1) SACBC AIDS Office

Das Southern African Catholic Bishops' Conference (SACBC) AIDS Office koordiniert und berät die AIDS Arbeit der katholischen Kirche in Südafrika, Swaziland und Botswana und ist teilweise auch in Lesotho tätig. Das Büro unterstützt in derzeit 20 Projekten auf Diözesan- und Pfarrgemeindebene die HIV Prävention, die medizinische Behandlung und psychosoziale Betreuung der AIDS Kranken und Sterbenden sowie die Betreuung der AIDS Waisen. Die seelsorgliche Unterstützung von Menschen, die von HIV/AIDS betroffen sind gehört ebenso dazu wie die gesellschaftspolitische Anwaltschaft für einen verbesserten Zugang zu antiretroviraler Behandlung (ARV) und angemessene Betreuung von Kindern und Jugendlichen. Das vom SACBC AIDS Office koordinierte ARV Behandlungsprogramm - v.a. von PEPFAR (USA) finanziert - wird an insgesamt 55 Außendienststellen der verschiedenen Projekte vor allem in solchen Regionen durchgeführt, in denen die öffentliche Gesundheitsversorgung besonders unzureichend ist.

Zwei exemplarisch ausgewählte Projekte ermöglichen das Kennenlernen der SACBC AIDS Arbeit während der Exposure Phase am Beginn des Programms. Im Mittelpunkt steht hier die Tätigkeit der ehren- und nebenamtlichen Projektmitarbeiter/innen, die Menschen betreuen, beraten und begleiten, die von HIV/AIDS betroffen sind:

INKANYEZI (dt. Stern) ist eine Einrichtung der Sisters of Mercy und der Missionaries of Africa - befindet sich 20 km südlich von Johannesburg in Orange Farm, einem großen informellen Siedlungsgebiet mit zahlreichen Migranten und hoher Arbeitslosenquote. Hier werden derzeit ca. 400 Patienten mit ARVs behandelt, Infizierte und Kranke werden zuhause betreut (home based care); AIDS Waisen werden mit Nahrung, Kleidung und Medikamenten unterstützt und in außerschulischen Freizeitaktivitäten begleitet.

Das Father Lewis Balink Therapy and Counseling Centre in Parys befindet sich im nördlichen Teil der Free State Provinz, ca. 140km südwestlich von Johannesburg. Dies ist eine Einrichtung der THABANG Society unter der Aufsicht der Diözese Kroonstadt und wird geleitet von der deutschen Kinderärztin Dr. Almud Pollmeier. Das Zentrum berät, begleitet und behandelt derzeit ca. 500 Patienten und verfügt über ein gutes Referenznetzwerk staatlicher Krankenstationen. Es ist eine wichtige Anlaufstelle, da das nächst gelegene Krankenhaus (Sasolburg) nicht nur 70km entfernt liegt: In Sasolburg ist keine ARV Behandlung möglich, da das ARV Programm der Free State Provinz wegen finanziellem Missmanagement zusammen gebrochen ist.


(2) Sinomlando Centre for Oral History and Memory Work

Das Zentrum unter Leitung des Dominikaners Phillipe Denis, Dozent für Geschichte, befindet sich an der "School of Religion and Theology" der Universität KwaZulu Natal in Pietermaritzburg, ca. 70km westlich von Durban. Die Arbeit des Zentrums wird vom Katholischen Missionswerk missio gefördert.

Im Exposure kann das Memory Box Programme kennen gelernt werden, das auf dem Konzept mündlich überlieferter Geschichte („Oral History“) basiert. Das Programm hat eine Methode entwickelt, die es darin fortgebildeten Multiplikatoren, Sozialarbeitern und Erziehungspersonen, z.B. Großmüttern oder Tanten von AIDS Waisen ermöglicht, psychosoziale Erinnerungsarbeit (memory work) zu leisten. Das Programm zielt darauf ab, o.g. Personengruppen zu befähigen, Waisenkindern zu helfen, über ihre eigene Vergangenheit zu sprechen und die Geschichte ihrer Familie kennen zu lernen – und als Teil ihrer eigenen Geschichte anzuerkennen. Eine zentrale, aber meist verschwiegene Realität dieser Lebensgeschichten ist die HIV Infektion, AIDS Erkrankung, das Leiden und Sterben der eigenen Eltern, insbesondere der eigenen Mutter, die – weil unreflektiert, verdeckt bzw. von der sozialen Umwelt verschwiegen – die Entwicklung einer eigenen Identität des betroffenen Kindes bedroht.

Während des Exposureaufenthaltes lernen die Teilnehmenden den Alltag von Memory Work Mentoren befreundeter Organisationen von Sinomlando kennen, die das Memory Box Programme anwenden.


(3) Pietermaritzburg Agency for Christian Social Awareness (PACSA)

PACSA - geleitet von Frau Daniela Gennrich - ist ein Fortbildungsinstitut mit Lobby- und Advocacy-Ausrichtung, das im freikirchlichen Kontext entstanden, aber ökumenisch ausgerichtet ist und eng mit zahlreichen NGOs, kirchlichen Einrichtungen (u.a. der Südafrikanischen Bischofskonferenz, s.o.) und Gruppen sowie staatlichen Stellen zusammenarbeitet. PACSA wird vom Bischöflichen Hilfswerk Misereor gefördert.

Im Mittelpunkt steht die Verankerung von HIV-AIDS als Querschnittaufgabe („HIV-AIDS Mainstreaming“). Auf der Ebene der Zusammenarbeit von PACSA mit Kirchen und kirchlichen Gruppen werden die eigenen Mitarbeiter/innen und Arbeitsbereiche mit den Herausforderungen der HIV-AIDS Problematik vertraut gemacht, z.B. mittels Training in grundlegenden Beratungsfähigkeiten (‚internes Mainstreaming‘). Auf der Ebene der Zusammenarbeit mit „community partners“ werden Kirchenvertreter und kirchliche Gruppen sowohl in HIV-AIDS als auch im Umgang mit Ungleichgewichten zwischen den Geschlechterrollen fortgebildet. Dies geschieht z.B. indem Kolleg/innen und Partnervertreter veranlasst werden, sich mit ihren eigenen Erfahrungen und der eigenen Lebensgeschichte auseinander zu setzen.

Es wird derzeit noch geprüft, inwieweit EDP Teilnehmende im Rahmen des Exposures  bei PACSA Partnern konkret miterleben können, wie ein veränderter Umgang mit HIV/AIDS (als Folge des „Mainstreaming“) im Kontext Einkommen schaffender Maßnahmen und wirtschaftlicher Wertschöpfung (Landwirtschaft, Kleingewerbe) konkret aussieht und Früchte trägt.